Der Boden – Eine Welt unter unseren Füßen

Unter unseren Füßen liegt eine Welt, die wir kaum wahrnehmen. Dabei leben in einer einzigen Handvoll gesunden Bodens mehr Organismen als Menschen auf der Erde. Aus diesem Grund werde ich euch in diesem Beitrag die Entstehung, die Typisierung, die Bedeutung und die Bedrohung des Bodens erklären. 

Jeder Boden hat ein zugrunde liegendes Ausgangsgestein, aus dem er durch Verwitterung und der weiteren Zerkleinerung mineralischer Bodenpartikel hervorgeht. Wenn Wasser in die Gesteinsrisse eindringt und sich beim Gefrieren ausdehnt, führt dieser Druck zu einer mechanischen Sprengung. Temperaturschwankungen erzeugen ebenfalls eine mechanische Belastung und führt zum Zerfall. Durch chemische Reaktionen wird die Zusammensetzung des Gesteins verändert, was zu einer Erhöhung der Instabilität des Kristallgitters und zu einer Verringerung der Festigkeit führt. Zeitgleich wirken weitere Prozesse, die sich ebenfalls auf die Bodenzusammensetzung und -eigenschaften auswirken und ihm das charakteristische Erscheinungsbild verleihen. Aufgrund von Aufbau- und Umlagerungsprozessen entstehen Bodenhorizonte. Auf diese Weise kommt es zu einer Veränderung der Korngrößenzusammensetzung (Bodenart), welche wichtige Prozesse und Funktionen des Bodens beeinflusst. Die Wasserführung, der Ertrag und der Beitrag zur Verminderung von Bodenerosionen sowie der Verdichtung des Bodens ist abhängig von der Bodenart.

Bodentypen werden anhand der Entstehungsart und dem Aufbau der Bodenhorizonte unterschieden. Mithilfe dieser Typisierung können ökologische Eigenschaften eines Standortes dargestellt werden, ohne langwierige Untersuchungen. In Deutschland gibt es eine Vielzahl von unterschiedlichen Böden, die in Karten veranschaulicht werden. Ausgehend von diesen können Maßnahmen, die den Zustand der Böden beeinflussen, bewertet werden.

Der Boden stellt den Lebensraum für Bakterien, Pflanzen, Tiere und Pilze dar und trägt so zur Artenvielfalt bei. Pilze, Algen und Flechten zersetzen abgestorbenes organisches Material und machen Nährstoffe für Pflanzen verfügbar. Sowohl große Bodentiere wie Maulwürfe als auch kleine Bodentiere wie Fadenwürmer bauen die Struktur des Bodens auf. Dabei entstehen Hohlräume, die sogenannten Poren, für den Wasser- und Lufttransport. Je nach Zusammensetzung können Böden Wasser unterschiedlich lange speichern, wodurch Pflanzen mit ausreichend Wasser, Luft und Nährstoffen versorgt werden können. Durch die Speicherung wird Regenwasser verzögert an Bäche und Flüsse weitergegeben und das Hochwasserrisiko reduziert. Der Boden kann chemische Elemente und Verbindungen filtern, neutralisieren und binden. So gelangen Gifte und Toxine nicht in das Grund- und Trinkwasser. Gesunde Böden sind zudem wichtig für die Nahrungsversorgung. Die Bodenfruchtbarkeit wird durch den Humusgehalt, Korngröße und Bodenstruktur beeinflusst, woraus sich unterschiedlich gute Wachstumsbedingungen ergeben. In der Landwirtschaft kommt es zu einer künstlichen Beeinflussung und Ertragssteigerung, was jedoch die natürlichen Bodeneigenschaften einschränken kann. Durch den Humus ist der Boden ein bedeutender Kohlenstoffspeicher. Der Boden beeinflusst die Lufttemperatur und -feuchtigkeit durch Wärmespeicherung und Verdunstung.

Obwohl der Boden wichtige Funktionen erfüllt, ist er durch die Hand des Menschen bedroht. Die Versiegelung von Flächen verhindert die Wasseraufnahme und erhöht das Hochwasserrisiko. Zudem wird die Grund- und Trinkwasserversorgung eingeschränkt. Schadstoffe, Rohstoffabbau und intensive Nutzung durch Maschinen führen zu Bodenverdichtung, Erosion, Humusverlust und Bodenschäden. Dies hat Folgen für Mensch, Umwelt, Klima und Wirtschaft. Außerdem wird die Artenvielfalt verringert und „die Welt unter unseren Füßen“ verschwindet.

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